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DER UKRAINISCH-POLNISCHE FRIEDENSVERTRAG VON ZBORIV IN DER DEUTSCHEN FASSUNG VON 1649 UND SEINE VORGESCHICHTE*

Als in Deutschland der Dreißigjährige Krieg durch die Friedenskongresse in Münster und Osnabrück beendet wurde, entstand in Osteuropa ein neues Staatswesen, die militärische Republik in der Ukraine1 (auch als „Hetmanstaat" bezeichnet).

Obgleich der Westfälische Friede die allgemeine Aufmerksamkeit beanspruchte, wurde auch dies Ereignis in der damaligen deutschen Presse wahrgenommen. Zum ersten Mal erscheint die Ukraine als politisches Subjekt auf dem „Theatrum Europaeum".

In der ersten Hälfte des 17 Jahrhunderts hatte die polnische Szlachta die Masse des ukrainischen Volkes in einen Stand volliger Rechtlosigkeit gebracht. Die Einführung der Leibeigenschaft, die nationale Unterdrückung und vor allem der Druck zur Annahme der Kirchenunion von 1596, dies alles führte zu tiefer Unzufriedenheit. Über diese hoffnungslose Lage berichten ver­schiedene unabhängige Augenzeugen, wie der franzosische [123] [124] Ingenieur Guillaume le Vasseur de Beauplan, der als Hauptmann in polnischen Diensten tätig war[125], der bekannte polnische Jesuit und Prediger am koniglichen Hof Pater Peter Skarga, der die Szlachta vor einem ukrainischen Aufstand warnte[126], der Lemberger Domherr Jan Jozefowicz[127] oder der Rabbiner Nathan Hanover aus Zaslavje in Wolhynien[128]. Im Gegensatz zur älteren polnischen Geschichtsforschung bestätigen neuerdings auch Historiker wie Leszek Podhorodecki, Władysław Serczyk, Zbigniew Wojcik und andere die verzweifelte Lage der Leibeigenen in der Ukraine.

Diese Feststellungen kennzeichnen die untragbaren sozialen und religiosen Zustände in der Ukraine, die einem Pulverfaß vergleichbar waren, das jederzeit explodieren konnte.

Den Funken zur Explosion loste der Kleinadelige Bohdan Chmel'- nyc'kyj (poln. Chmielnicki, 1595 — 1657)[129] aus, der im Frühjahr 1648 den allgemeinen Volksaufstand gegen Polen entfachte. Ein polnischer Landeshauptmann („Unter-Starosta"), Daniel Czapliński, hatte in seiner Abwesenheit sein Gut in Subotiv überfallen, es in Brand gesteckt und seinen Sohn erschlagen lassen. Als Chmel'nyc'kyj weder im Gericht noch beim Konig sein Recht erlangte, ermutigte ihn dieser (nach einer Legende), seine Rechte „mit dem Säbel" zu erkämpfen. Chmel'nyc'kyj flüchtete zu den Zaporoger Kosaken, die ihn zum Hetman wählten und in seinen Bestrebungen gegen Polen unterstützten.

Vorbereitungen zum Aufstand. Bemühungen um Hilfe in Moskau und beim Chan Islam Giraj III

Im allgemeinen wird darauf hingewiesen, daß Chmel'ny- c'kyj den Aufstand gegen Polen ausloste, um seine Rechte zu erkämpfen und um sich an Czapliński zu rächen. Bereits im März 1648 verlangte er jedoch in seinen Verhandlungen mit dem polnischen Kron-Hetman Mikołaj Potocki (1646 — 51) auch die Abschaffung der sogenannten Sejm-Ordination vom 24 Dezember 1638 (alle Daten werden nach dem Gregorianischen Kalender angegeben), der polnischen Verwaltung sowie den Abzug der polnischen Truppen aus der von den Kosaken bewohnten Ukraine. Diese Forderungen teilte Potocki in seinem Brief vom 31 März 1648 Konig Władysław IV mit Entrüstung mit[130].

Aus früheren Erfahrungen wußte Chmel'nyc'kyj, daß er ohne fremde Hilfe gegen die polnische Armee nicht auf Erfolg rechnen konnte. Er hoffte auf die Unterstützung des orthodoxen Zaren, aber dieser zeigte kein Interesse am Aufstand in der Ukraine. In den Jahren 1648 — 1649 war keine feindliche Ein­stellung Moskaus gegenüber Polen festzustellen, im Gegenteil, die Beziehungen waren freundlich. Dafür gab es verschiedene Gründe. Der Zar hatte Angst vor einem kosakisch-tatarischen Bündnis, das nicht nur für Polen, sondern auch für Moskau gefährlich werden konnte, da die Tataren laufend die Grenzen im Süden angriffen.

Der radikale Charakter des Aufstandes in der Ukraine beunruhigte ihn, da ihm zudem in dieser Zeit die starken wirtschaftlichen Unruhen in Moskau, Nowgorod, Pleskau und anderen Städten viel zu schaffen machten. Man befürchtete am Zarenhof, daß sich diese „ukrainische Pest" in Rußland verbreiten konnte[131]. Außerdem sah man 1648 in Moskau keinen Grund, den „ewigen Frieden" mit Polen (geschlossen 1634 und erneuert 1647) zu brechen. Darüber hinaus war Zar Aleksej Michajlovic über die Ereignisse in der Ukraine gut informiert. Schon am 28 März 1648 hatte der polnische Senator Adam Kysil (poln. Kisiel, 1600 — 1653), Wojewode von Bratslavund Experte für die kosakischen Fragen, den russischen Wojewoden von Putivil, Jurij Dolgorukij, über den Aufstand in der Ukraine unterrichtet. Kysil („gente Ruthenus, natione Polonus") informierte Dolgorukij auch darüber, daß Chmel'nyc'kyj die Donkosaken überreden wollte, einen Überfall auf die Türkei zu unternehmen, welcher für Moskau ernste Folgen hätte haben konnen. Kysil gab zu verstehen, daß der Aufstand in der Ukraine nicht nur für Polen, sondern auch für Moskau eine Gefahr darstelle und deshalb eine schnelle Niederschlagung für beide Staaten von Nutzen wäre[132]. Es versteht sich von selbst, daß Dolgorukij sofort diese Nachricht nach Moskau weitergab. Außerdem bestand ein Vertrag vom Juni 1646 zwischen Polen und Moskau, in dem sich beide Staaten verpflichtet hatten, im Falle eines tatarischen Überfalls sich gegenseitig Hilfe zu leisten. Es gab sogar Gerüchte, daß die russischen Truppen bereit seien, den Polen zu helfen, die Ordnung in der Ukraine wieder­herzustellen[133] [134].

Unter diesen Umständen konnten für Chmel'nyc'kyj nur die Krim-Tataren als Verbündete in Frage kommen. Um sich ihrer Hilfe und besonders ihrer leichten Kavallerie gegen die schwere polnische Reiterei zu versichern, begab sich jedoch Chmel'ny- c'kyj mit seinem Sohn Tymis nicht selbst nach Baheesaray auf der Krim, wie in der älteren Historiographie behauptet wird11, sondern schickte zwei Beauftragte, Kindrat Burlaj und Jacek Klisa, zum Chan Islam Giraj III[135].

Die Voraussetzungen für kosakisch- tatarische Verhandlungen waren sehr günstig. Die polnische Regierung hatte sich geweigert, dem Chan den Tribut („upo­minki") zu zahlen, den er dringend benotigte, da im Jahre 1647 eine extreme Trockenheit große Not ausgelost hatte. Außerdem brachten die kosakischen Emissäre zwei Briefe des Konigs Władysław IV von 1646 mit, in denen er die Kosaken beauftragt hatte, einen Überfall gegen die Krim-Tataren vorzubereiten[136].

Die Verhandlungen waren bald erfolgreich und führten zu einem Vertrag, der am 13 März 1648 auf der Sic abgeschlossen wurde. Als Garantie hatte Chmel'nyc'kyj seinen Sohn als Geisel beim Chan zurückgelassen. In diesem Vertrag verpflichtete sich der Chan, dem Hetman im Kampf gegen Polen Hilfe zu leisten. Er schickte 4000 seiner besten Männer unter dem Befehl von Tuhay Bey von Perekop und befahl ihm, mit seiner Orde (ca. 20000 Mann) Chmel'nyc'kyj beizustehen[137]. Tuhay Bey gehorte zur Opposition gegen Islam Giraj III, der nur darauf wartete, seinen Rivalen auszuschalten.

Außerdem schien dies für den Chan die beste Losung für den Fall einer Rüge von Seiten der Pforte, da ein Friedensvertrag mit Polen bestand. Ferner erklärte der Chan das Territorium zwischen Zaporoze und der Stadt Bila Cerkva zu seinem Prote­ktorat, das die Tataren weder überfallen noch plündern durften[138]. Am 25 April 1648 meldete Islam Giraj III der Pforte, daß er ein Bündnis mit Chmel'nyc'kyj geschlossen habe und einen Feldzug gegen Polen plane[139].

Nachdem Chmel'nyc’kyj sich der Hilfe der Tataren versi­chert hatte, rief er im Frühjahr 1648 das ukrainische Volk zum Aufstand auf, jedoch nicht gegen die Person des in Kosakenkreisen beliebten Konigs Wladyslaw IV, sondern „mit koniglicher Zustimmung" gegen die verhaßte Szlachta. Diese geschickte Propaganda verfehlte ihre Wirkung nicht und verlieh dem Aufstand „einen Schein der Legitimität"[140].

Nach den siegreichen Schlachten am Flüßchen Zovti Vody und bei Korsuh und dem Tod Konig Wladyslaws IV am 20 Mai setzte Chmel'nyc'kyj den Feldzug nicht weiter fort. Weder er noch die hoheren Offiziere („Starsyna") wollten zu diesem Zeitpunkt mit der Rzeczpospolita brechen, da sie hofften, daß ihre Rechte von der polnischen Regierung bestätigt würden, um so mehr, als der Kronkanzler Jerzy Ossoliński (1643-50) und Kysil mit dem Kosakenhetman verhandeln wollten[141]. Zu diesem Schritt zwang auch die Absage des Chans, der nach Tuhay Bey selbst in die Ukraine eingefallen war, dort geplündert hatte und ihm — aus Angst vor Konstantino­pel — am 2 Juni 1648 in der Festung Bila Cerkva erklärte, daß er ihm keine weitere Unterstützung gewähren konne[142].

Ferner hatte sich das Gerücht verbreitet, daß der Zar bereits in der zweiten Maihälfte den Polen Grenztruppen zu Hilfe geschickt habe[143]. Diese Hilfeleistung wollte Chmel'nyc'kyj um jeden Preis vermeiden. Er schlug daher dem Zaren in einem Brief vom 18 Juni 1648 einen Feldzug gegen Polen vor und versprach ihm seine Hilfe zur Erringung der polnischen Konigskrone. Weiter bat er um Hilfe für die Kosaken, falls sie von den Polen angegriffen werden sollten[144]. Seinen Standpunkt betonte er noch einmal in einem Schreiben vom 21 Juni an den russischen Wojewoden von Putivil, Nikifor Plesceiev[145].

Durch Kysils Vermittlung wurde ein Waffenstillstand erreicht, und Chmel'nyc'kyj schickte eine Gesandtschaft nach Warschau mit folgenden Forderungen an die polnische Regierung; Erhohung der Zahl der Registerkosaken auf 12000 Mann, das Recht zur Wahl eigener Offiziere, Auszahlung des Solds für die letzten fünf Jahre, Rückgabe der Kirchen in Lublin, Krasnyj Stav, Sokal und anderen Städten, die von den Unierten beschlagnahmt worden waren[146].

Die Gegensätze waren jedoch zu groß, als daß ein dauer­hafter Friede hätte erreicht werden konnen.

Zudem gab es in Polen eine Friedens- und eine Kriegspartei; der Fürsprecher der ersteren, Kronkanzler Ossoliński, war für Verhandlungen und einen Kompromiß mit Chmel'nyc'kyj, im Gegensatz zu seinem politi­schen Gegner, dem Kron-Vizekanzler Andrzej Leszczyński (1643- 51), und dem Kosakenhasser Fürst Jeremiah Wiśniowiecki, einem Konvertiten. Diese waren gegen jegliche Verhandlung und plädierten für Krieg[147]. Die Auseinandersetzung wurde unvermeid­lich. Während Polen eine gut ausgerüstete Armee von 40000 Mann aufstellte, nutzte auch der Kosakenhetman den Waffenstillstand zu einer Vergroßerung und Reorganisation seiner Truppen. Um den litauischen Adel auf seine Seite zu ziehen, verbot er den Kosaken, diesen zu verfolgen und seine Güter zu vernichten[148]. Zudem konnte er sich erneut die Hilfe der Tataren sichern. Nach der Ermordung des Großvezirs und des abgesetzten Sultans Ibrahim I durch rebellierende Janitscharen befahl der neue Sultan Mehmed IV dem Chan der Krimtataren, mit „ganzer Macht das Konigreich Polen anzugreifen''[149]. Ende August wurde in Baheesaray beschlossen, dem Hetman eine Orde unter dem Befehl von Kalga Krym Gerej zu schicken[150]. Mit Recht ging Chmel'nyc'kyj davon aus, daß der Zar wegen des Aufstands der Moskauer Stadtbevol­kerung Polen keine Hilfe würde leisten konnen. Am 23 September kam es bei Pilavtsi (poln. Piławce, an der Grenze zwischen Podolien und Wolhynien) zur Schlacht, in der das ukrainisch-tatarische Heer der polnischen Armee eine schmachvolle Niederlage bereite­te. Diese wurde in wenigen Stunden vernichtet, und ihr reiches Lager mit der gesamten Artillerie und allen Schätzen fiel in die Hände der Sieger, denen nunmehr der Weg nach Warschau offenstand.

Chmel'nyc'kyjs Forderungen

Nach dem Sieg bei Pilavtsi belagerte der Hetman am 8 Oktober Lemberg und setzte, nachdem er von der Stadt eine Kontribution erhalten hatte, seinen Marsch in Richtung der Festung Zamość fort. Dort machte er halt und entsandte seine Emissäre, seinen Verwandten Zacharias Chmel'nyc'kyj und sei­nen ehemaligen Lehrer, den Jesuitenpater Andrzej Humel Mokrski, zum neuen Konig Johann Kasimir mit folgenden Forderungen:

1. dauerhafte Festlegung der Zahl der Kosaken auf 12000 Mann;

2. Abzug der polnischen Truppen aus den ostlichen Gebieten und Verteidigung der Grenzen der Rzeczpospolita durch die Kosaken;

3. Verzicht der Gutsbesitzer auf Bestrafung der Bauern;

4. den Kosaken sollten jederzeit Expeditionen zum Schwarzen Meer erlaubt sein;

5. Behandlung der Kosaken nach dem litauisch-tatarischen Gesetz und Gleichstellung mit dem Adel;

6. Gewährleistung einer Amnestie für alle;

7. die Kosaken sollten nur unter dem Oberbefehl des Konigs und des eigenen Hetmans, nicht aber unter dem des polnischen Kronhetmans stehen[151].

Ende November nahm der Konig das Verhandlungsangebot an und versprach durch seinen Abgesandten Stanislaw Oldakowski (oder Choldakowski), eine Sonderkommission zur Führung der weiteren Friedensverhandlungen zu ernennen. An diese Zusiche­rung knüpfte er allerdings die Bedingung, daß der Hetman sich in die Ukraine zurückziehen solle.

Zwar empfahlen manche Offiziere, wie Maksym Kryvonis und P. Hlovatskyj, die Fortsetzung des Krieges[152], aber die Mehrheit war dagegen[153]. In der ukrainischen Historiographie ist dem Het­man häufig vorgeworfen worden, daß er nicht gegen Warschau vorgerückt sei[154]. Die Lage war jedoch sehr kompliziert. Chmel'- nyc'kyj verfügte über annähernd 30000 Mann, aber nur wenig Artillerie und Kriegsausrüstung. Die Truppen waren von den Nachschubverbindungen weit entfernt und auf eine Kriegsführung im Winter nicht vorbereitet. Andererseits gab es noch genügend polnische Kräfte, und zusätzlich bestand die Gefahr eines Eingreifens der litauischen Armee. Außerdem drohte der Ausbruch einer Seuche unter den Kosaken. Dies alles zwang zu Verhand­lungen mit dem neugewählten Konig[155]. Wenn auch diese Handlungsweise gerechtfertigt erscheint, so ist doch Chmel'nyc'- kyjs Rückzug aus den von ihm besetzten Gebieten als schwerer Fehler zu betrachten. Anstatt sich in der Westukraine zu behaupten und dort eine eigene Machtbasis zu etablieren, trat er freiwillig den Rückzug an und überließ dieses Land dem Feind, der seine Truppen konzentrieren und die Kosaken leicht angreifen konnte. Als der Hetman am Weihnachtstag feierlich in Kiev als Befreier der Ukraine empfangen wurde, änderte er, vor allem unter dem Einfluß des damals in der Stadt weilenden Patriarchen Paisios von Jerusalem, der auf dem Weg nach Moskau war[156], seine Meinung und sprach jetzt von der Befreiung des ganzen ukraini­schen Volkes. Da in dieser Woche in Kiev die Gesandtschaften aus der Türkei, aus Siebenbürgen, der Walachei, Moskau und der Moldau eingetroffen waren, wollte er die polnischen Kommissare nicht in Kiev, sondern in Perejaslav empfangen. Dort behandelte er sie wie eine ausländische Delegation und erklärte den Kommissaren: „Bis jetzt habe ich um meine Rechte gekämpft, aber jetzt will ich das gesamte ukrainische Volk vom polnischen Joch befreien... Ich bin ein kleiner und unwichtiger Mann, aber Gott hat mich zum ukrainischen Herrscher auserwählt... Ins Ausland gehe ich nicht, ich habe genug Land und Güter in meinem Fürstentum bis Lemberg, Cholm und Halic"[157].

Aus Chmel'nyc'kyjs Äußerungen wird deutlich, daß er von einem ukrainischen Fürstentum in Union mit der Rzeczpospolita sprach[158]. Die Kommissare hatten aber weder Vollmacht noch Neigung, auf die Forderungen des Hetmans einzugehen, den sie statt dessen um einen annehmbaren Waffenstillstand baten. Zuerst lehnte dieser ab, aber dann unterschrieb er doch am 24 Februar 1649 die sog. „Punkta", d.h. Forderungen an den Konig. Diese lassen sich wie folgt zusammenfassen:

1. die orthodoxe Kirche in der polnisch-litauischen Adelsrepublik (Rzeczpospolita) solle ihre früheren Rechte wiedererhalten, und die Unierte Kirche solle aufgehoben werden;

2. der Metropolit von Kiev und drei Senatoren orthodoxen Glaubens sollten jeweils einen Sitz im Senat erhalten;

3. der Wojewode von Kiev solle ebenfalls orthodoxen Glaubens sein;

4. die romisch-katholische Kirche sowie ihre Orden mit Ausnahme der Jesuiten konnten bleiben, wo sie sind;

5. Czapliński solle ausgeliefert werden;

6. Fürst Wiśńiowiecki solle als Oberbefehlshaber in der Ukraine abgelost werden;

7. polnische Truppen und die Kosaken dürften die Demarkationslinie in Wolhynien und Podolien nicht überschreiten;

8. dieser Waffenstillstand solle bis zum 28 Mai 1649 in Kraft bleiben, bis eine neue Kommission die Friedensverhand­lungen aufnehmen werde[159].

Daß Chmel'nyc'kyi mit der Rzeczpospolita nicht brechen wollte, wird durch die Tatsache erhellt, daß der orthodoxe Me­tropolit von Kiev und drei orthodoxe Senatoren einen Sitz im Senat erhalten sollten[160].

Nach seiner Rückkehr aus Perejaslav schickte Kysil einen pessimistischen Bericht an den Konig, in dem er die Auffassung vertrat, daß Chmel'nyc'kyj nicht nur das kosakische Heer kontrollieren, sondern auch die Unabhängigkeit der Ukraine wolle[161]. Johann Kasimir und sein Kanzler Ossoliński hofften jedoch weiterhin, den Konflikt friedlich zu losen. Am 27 März 1649 sandte der Konig durch seinen Emissär, Jakub Śmiarkowski (auch Śmiarowski), einen Brief an den Hetman. Dieser hielt ihn auf, um Zeit bis zum Eintreffen der Tataren zu gewinnen. Als Chmel'ny- c'kyj ihn am 21 Mai schon mit einer Antwort wegschicken wollte, informierte einer der kosakischen Obersten den Hetman, daß Śmiarkowski mit vier anderen Obersten gegen ihn konspirierte, um ihn abzusetzen. Śmiarkowski wurde während des daraufhin einberufenen Feldgerichts hingerichtet[162].

Trotz seiner siegreichen Schlachten im Jahre 1648 war Chmel'nyc'kyj der Ansicht, daß er den Krieg in Polen nicht beenden konnte. Er bat den Jerusalemer Patriarchen, den Zaren zu überzeugen, daß den orthodoxen Kosaken Hilfe gegen die Rzeczpospolita zu gewähren sei; als Gegenleistung wollte er sich mit dem gesamten Zaporoger Heer unter die Herrschaft des Zaren begeben[163].

Erneute Hilfsersuchen in Moskau und beim Sultan.

Wiederaufleben des Krieges

Um sein Ziel zu erreichen, schickte der Hetman Oberst (polkovnyk) Siluan Muzylovs'kyj gemeinsam mit dem Patriarchen nach Moskau. Nach langem Hin und Her wurden beide am 4 Februar vom Zaren in einer Sonderaudienz empfangen. Zar Aleksej Michajlovic erklärte ihnen, daß zwischen ihm und der Rzecz­pospolita ein „ewiger Friede" bestehe, den er nicht brechen wolle, falls aber die Kosaken sich unter seine Herrschaft begeben wollten, konnten sie dies von sich aus tun, ohne diesen Frieden zu verletzen[164]. Zwar konnte Chmel'nyc'kyj von Moskau keine militäri- sehe Hilfe erhalten, aber allein die Tatsache, daß der Zar seine Abgesandten empfangen hatte, bedeutete einen diplomatischen Erfolg, den er in seinen Verhandlungen mit den Polen wie auch mit der Pforte ausnutzen konnte[165]. Ähnlich verhält es sich mit einem Schreiben des Zaren an den Hetman, das durch Vasilij Michajlov überbracht wurde und dessen Inhalt nicht bekannt ist, das aber durch ein Dankschreiben Chmel'nyc'kyjs vom 18 Februar belegt ist[166]. Aus den Instruktionen des nächsten russischen Abgesandten, Grigorij Unkovskij, geht hervor, daß Zar Aleksej den Kosaken riet, „mit Polen und Litauern in Frieden zu leben, damit nicht mehr christliches Blut vergossen werde"[167]. Chmel'- nyc'kyj aber lehnte den Friedensvorschlag ab, da er immer noch auf russische Hilfe hoffte. Am 13 Mai kündigte er die Entsendung eines neuen Abgesandten, Oberst Fedir Vesniak, an, der nach seiner Ankunft in Moskau sehr feierlich empfangen wurde[168]. Zwar versicherte Zar Aleksej die Kosaken seiner Freundschaft, aber er erinnerte in seiner Botschaft den Hetman an den „ewigen Frieden", den er nicht brechen dürfe[169], und änderte seinen Entschluß ebensowenig wie in den weiteren Zusammentreffen mit ukraini­schen Gesandtschaften.

Unter diesen Umständen entschloß sich Chmel'nyc'kyj, Hilfe bei der Pforte zu suchen. Bereits früher war es zu direkten Kontakten gekommen, über deren Zeitpunkt in der Literatur allerdings unterschiedliche Auffassungen herrschen[170]. Jedenfalls hatte der Hetman schon in einem Schreiben vom 28 November 1648 gegenüber Sultan Mehmed IV seinen Aufstand gerechtfertigt und auf die bisherigen Erfolge hingewiesen[171]. Nun ersuchte er den Sultan und den Chan der Krimtataren um eine „geringe Zahl Soldaten", um der Rzeczpospolita eine endgültige Niederlage bereiten zu konnen", und erklärte sich bereit, sich mit den Zaporoger Kosaken unter die Herrschaft des Sultans zu begeben[172]. An eine tatsächliche Unterstellung der Ukraine unter die Pforte hat er dabei freilich ebensowenig gedacht wie bei dem ähnlichen Angebot an Moskau, vielmehr suchte er sich durch diesen politi­schen „Trick" bei beiden Mächten militärische Hilfe zu sichern.

Beide gegnerischen Seiten hatten den Waffenstillstand zu weiteren Rüstungen genutzt. Nach dem Tode Śmiarkowskis war ein Waffengang unvermeidlich. Anfang Juli 1649 zog das vereinigte kosakisch-tatarische Heer den polnischen Truppen entgegen, die sich angesichts der Übermacht der Verbände des Kosakenhetmans und des Chans Islam Giraj III in die Stadt Zbaraż zurückzogen und sich dort sechs Wochen lang verteidigten. Inzwischen war es Konig Johann Kasimir gelungen, eine 30000 Mann starke Armee aufzustellen, mit der er den Belagerten zu Hilfe eilte. Um seinen Plan zu durchkreuzen, zogen ihm Chmel'- nyc'kyj und der Chan mit einem Teil der Truppen entgegen, griffen die nichtsahnenden Polen unweit der Stadt Zboriv (poln. Zborow) an und schlossen sie ein; eine Niederlage des polnischen Heeres mit dem Konig an der Spitze schien unausweichlich.

Die Friedensverhandlungen

In dieser kritischen Lage schrieb Johann Kasimir am 15 August auf Vorschlag seines Kanzlers Ossoliński einen Brief an den Chan, in dem er seine Überraschung zum Ausdruck brachte, daß dieser die Rebellen unterstützte, obwohl es dazu keinen Grund gebe; er verwies darauf, daß sein verstorbener Bruder Władysław IV für die Freilassung des Chans aus polnischer Haft gesorgt habe[173], und bot ihm schließlich seine Freundschaft an[174]. Gleichzeitig richtete der Konig ein Schreiben an Chmel'nyc'kyj, worin er diesem Undankbarkeit vorwarf, den Rückzug der kosakischen Truppen auf zehn Meilen vom polnischen Lager und die Entsendung von Bevollmächtigten zu Verhandlungen verlangte[175].

An einer endgültigen Niederlage der Polen konnten die Tataren nicht interessiert sein. Sie wünschten vielmehr einen moglichst langen Krieg zwischen Polen und Kosaken, die für sie alle „verfluchte Giauren" waren[176], um selbst ungestort plündern zu konnen. Ohnehin schien das Gleichgewicht durch die polnischen Niederlagen von 1648 gestort[177], und die Entwicklung einer neuen Macht lag nicht im Interesse der Tataren. Außerdem war der Chan von der Pforte davor gewarnt worden, Polen in den türkisch-venezianischen Krieg hineinzuziehen. Die Antwort des Chans vom 16 August kam daher dem Konig durchaus entgegen: „Wenn Ihr mit Eurem Gast und Freund verhandeln wollt, dann schickt Euren ersten Kanzler, und wir unsererseits schicken unseren Wesir"[178] [179]. Noch am selben Tag begannen zwischen beiden Seiten Verhandlungen, in denen der tatarische Wesir Sefer Gasi Aga neben sehr großen Entschädigungen und jährlichen Tributen auch die Aufnahme von 40000 Kosaken in das Register, die Zahlung von Sold nach deren Wünschen und die Respektierung ihres Territoriums verlangte55.

Ebenfalls am gleichen Tag hatte Chmel'nyc'kyj dem Konig geantwortet und seinen Aufstand zu rechtfertigen versucht; er versicherte den Konig seiner Loyalität und Treue und bat um Vergebung[180]. Auf die zustimmende Antwort Johann Kasimirs[181] rechtfertigte der Hetman den Tod Śmiarkowskis mit dessen Verrat und Verschworung[182] und entschuldigte sich in einem weiteren Schreiben vom 17 August nochmals für den Aufstand, begründete sein Bündnis mit den Tataren, bat erneut um Vergebung und verlangte die Todesstrafe für Czapliński[183]. Gleichzeitig überbrachten seine Bevollmächtigten dem Konig eine Liste mit achtzehn Forderungen, die als „Punkta o potrzebach Wojska Zaporoskiego do Jego krolewskiej Mości, Pana naszego miłościwego" (Punkte über die Ainliegen des Zaporoger Heeres an Seine Konigliche Majestät, unseren gnädigen Herrn) in die Geschichte eingegangen sind:

1. Anerkennung der Privilegien der Kosaken, die diesen früher von polnischen Konigen gewährt worden waren;

2. Abgrenzung des Territoriums, in dem die Kosaken residieren dürfen, d.h. die Provinzen von Kiev, Cernihiv (poln. Czernigow) und Bratslav (poln. Bracław) sowie ein Teil von Wolhynien. In diesen Gebieten dürfen keine polnischen Truppen stationiert werden;

3. die Unierte Kirche soll im Konigreich Polen und im Großfürstentum Litauen aufgehoben werden;

4. der Metropolit von Kiev soll vom okumenischen Patriarchen geweiht und seiner Jurisdiktion unterstellt werden;

5. der Orthodoxen Kirche sollen Kirchen und Güter, welche die Unierte Kirche übernommen hatte, zurückgegeben werden, ihre Rechte, d. h. die Gottesdienste in Polen und Litauen, sollen wiederhergestellt werden. Falls Beamte in Polen und Litauen diese Rechte nicht gewähren, sind sie als Feinde des Vaterlandes anzusehen;

6. die ruthenische Geistlichkeit soll dieselben Rechte wie die romisch-katholische im ganzen Konigreich Polen und in Litauen haben;

7. die ruthenischen Kirchen in Krakau, Warschau, Lublin und in anderen Städten sollen erhalten bleiben, wie es vorher war;

8. die Kanzler Polens und Litauens sollen ohne Verzogerung und Aufschub die Privilegien, Dekrete und Mandate der Rus' bewilligen;

9. Jesuiten und andere romisch-katholische Monche, die früher dort nicht gelebt haben, sollen auch jetzt weder in Kiev noch in anderen ukrainischen Städten wohnen, weil sie religiose Unruhe und Unfrieden verursacht haben;

10. alle Ämter in den Wojewodschaften von Kiev über Bila Cerkva bis an die tatarische Grenze, auf dem linken Dnieprufer und in der Wojewodschaft Cernihiv sollen vom Konig nicht Adeligen romischer, sondern griechischer (orthodoxer) Religion verliehen werden;

11. die Juden dürfen in den oben genannten Städten weder pachten noch wohnen, es sei denn, daß sie etwas verkaufen oder kaufen wollen;

12. auf Grund von Denunziationen wurden viele unschul­dige Menschen ermordet, Häuser gesetzwidrig beschlagnahmt und Freiheiten aufgehoben, entsprechend früheren Beschlüssen des Sejm. Alle diese Sejmdekrete sollen für nichtig erklärt werden und Kirchen und Häuser sowie die Freiheiten in allen Städten Polens und Litauens den Nachkommen zurückerstattet werden;

13. die Güter, die während des Aufstandes von Kosaken beschlagnahmt wurden, bleiben im Eigentum der derzeitigen Besitzer;

14. die Adeligen der griechischen und der romischen Religion, die sich am Aufstand beteiligt haben, sollen amnestiert werden;

15. alle Gesetze, die vom Sejm gegen das Zaporoger Heer, dessen Freiheiten und Rechte verabschiedet wurden, sollen durch die Verfassung abgeschafft werden;

16. die Geistlichkeit romischer Religion, die früher nicht in Kiev ansässig war, soll es auch jetzt nicht sein; dies betrifft auch den romischen Bischof in Kiev. Die Truppen der Krone sollen nicht in dieses Territorium einziehen, um keine Unruhe zu verursachen;

17. der Metropolit von Kiev soll mit zwei anderen Bischofen einen Sitz im Senat haben mit denselben Rechten wie die polnischen Senatoren romischer Religionszugehorigkeit;

18. der Konig soll bei der Kronung zusammen mit sechs Senatoren und sechs Abgeordneten im Sejm diese Punkte annehmen, beschworen und in die Verfassung aufnehmen. Sollte dies nicht geschehen, ist dies eine offene Unfreundlichkeit gegenüber dem Zaporoger Heer als Untertanen des Konigs51.

Unter dem Druck der Forderungen des Chans kam es noch am 18 August zu einem Friedensvertrag, bei dem die Punkte Chmel'nyc'kyjs zwar offensichtlich als Grundlage gedient haben, keineswegs aber alle Anliegen Berücksichtigung fanden. Im einzelnen enthielt der Vertrag[184] [185] folgende Vereinbarungen: Bestätigung der Freiheiten und Privilegien der Zaporoger Kosaken; Aufnahme von 40000 Mann in das Register, das vom Hetman zu erstellen ist, aus dem Gebiet rechts des Dniepr bis zum Dniestr mit den Städten Dymer, Hornostajpil, Korostys, Pavoloc, Pohrebysce, Pryluka, Vinnica, Bratslav und Jampol, auf dem linken Ufer des Dniepr bis zur Grenze mit Moskau mit den Städten Ostro, Cernihiv, Nizyn und Romny; Übergabe der Stadt Cyhyryn und ihrer Umgebung an den Hetman Chmel'nyc'kyj; Gewährung des Generalpardons; Verbot polnischer Garnisonen in den von den Kosaken bewohnten Städten; Ansiedlungs- und Pachtverbot für Juden in diesen Städten[186]; Regelung der Frage der unierten Kirche und der damit zusammenhängenden Probleme auf einem künftigen Sejm, Gewährung eines Sitzes im Sejm für den Metropoliten von Kiev; Vorbehalt aller Ämter in den Provinzen von Kiev, Bratslav und Cernihiv für den Adel griechischer (orthodoxer) Religion; Verbot der Neugründung von Jesuiten­schulen in Kiev und anderen Städten; Verbot des Branntweinver­kaufs für Kosaken. Dieser Vertrag, der vom Konig unterzeichnet wurde, sollte vom Sejm ratifiziert werden. Dem Tatarenchan gegenüber mußte sich die polnische Seite zu einem jährlichen Tribut von 200000 Talern verstehen, um sich gegen tatarische Überfälle abzusichern.

Òèòóëüíà ñòîð³íêà ïàìôëåòó àíîí³ìíîãî í³ìåöüêîãî îô³öåðà â ïîëüñüê³é àð쳿 Gründliche und Denkwürdige newlichen Cosaken-Unruh wider die Krin Polen..., 1649.

Trotz erheblicher Bedenken stimmte der Sejm schließlich widerstrebend der Ratifizierung des Vertrages von Zboriv zu („Aprobacya deklaracyi naszej woysku Zaporowskiemu daney")[187], und der Konig bestätigte ihn noch einmal ausdrücklich in einem Dekret vom 12 Januar 1650[188] [189], aber der Text wurde weder als Ganzes noch im Auszug in die offiziellen Volumina Legum aufgenommen. Er wurde jedoch bereits 1649 in deutscher Übersetzung von einem unbekannten deutschen Offizier in polnischen Diensten in einer Flugschrift veroffentlicht56; trotz einiger Fehler bei den Namen ist der Inhalt weitgehend mit der überlieferten polnischen Fassung identisch, so daß die Vermutung, der Vertrag sei nur als eine unvollständige Kopie erhalten geblieben[190], unberechtigt erscheint.

Zur Bedeutung des Vertrages von Zboriv

Obwohl Chmel'nyc'kyj mit dem Vertrag mehr erreicht hatte, als er sich ein Jahr zuvor hätte träumen lassen, konnte er mit dem Erfolg nicht zufrieden sein. Er war nur zum Kosaken- Hetman im Dienste des polnischen Konigs ernannt worden und nicht Fürst eines eigenen ukrainischen Fürstentums, die Ausdehnung auf Wolhynien war nicht gelungen, und auch einige andere Punkte seiner Forderungen waren nicht durchzusetzen gewesen (vgl. oben). Vor allem um die Frage der Aulhebung der Unierten Kirche wurde erbittert gerungen. Der kategorischen Forderung des Metropoliten von Kiev und der orthodoxen Kirche stellte sich die Hierarchie der Unierten Kirche, unterstützt von den katholischen Bischofen, dem Nuntius Giovanni de Tores und einflußreichen Adligen vor allem in Litauen, entgegen. Dank der Vermittlung des Senators Adam Kysil wurde ein Kompromiß erreicht, so daß viele Gotteshäuser mit ihren Gütern von der unierten an die orthodoxe Kirche zurückgegeben worden sind; eine Aulhebung der Unierten Kirche als solche ist jedoch nicht erfolgt[191].

Ebensowenig wie die Kosaken waren die Polen mit dem Vertrag zufrieden, da sie ihrer Auffassung nach zu viele Zugeständnisse hatten machen müssen[192]. Beide Seiten waren sich dessen bewußt, daß sie trotz großer Anstrengungen ihre weitreichenden Ziele nicht erreicht hatten, ja daß sie dem Diktat des Chans hatten folgen müssen. In der Praxis wurden denn auch die Vertragsbestimmungen nie voll verwirklicht, in der Offentlichkeit wurde der Friedensschluß freilich propagandistisch ausgeschlachtet. So wurde in der koniglichen Kanzlei ein Bericht unter dem Titel „Relatio gloriosissimae expeditionis, victoriosissimi progressus et faustissimae pacificationis cum hostibus... Joannis Casimiri regis Poloniae" in zwei Fassungen — für das In- und das Ausland — erarbeitet, in dem der Erfolg des Konigs mit der Befreiung der in Zbaraz belagerten Armee, der Rückgewinnung der verlorenen Provinzen für die Rzeczpospolita und der Sicherung des Friedens gefeiert wurde[193]. In der Ukraine wurde dagegen das Gerücht verbreitet, der Konig habe in Bedrängnis den Kosaken­hetman um eine Beendigung des Blutvergießens gebeten, der daraufhin einen für die Kosaken vorteilhaften Frieden erreicht habe; der Konig solle sogar geschworen haben, den orthodoxen Glauben anzunehmen, nach Kiev umzuziehen und ukrainischer Konig zu werden[194].

Zwar ist es Chmel'nyc'kyj nicht geglückt, einen unabhän­gigen Staat unter seiner Herrschaft zu errichten, aber er hat doch — mit gewissen Beschränkungen — im Rahmen der Rzecz- pospolita Autonomie auf dem Gebiet der Provinzen Kiev, Bratslav und Cernihiv erreicht; daß er nach dem polnisch-tatarischen Separatfrieden seine Lage einigermaßen realistisch einschätzte und einen definitiven Bruch mit Polen keineswegs wünschte, beweist der Inhalt seiner 18 Punkte (vor allem Artikel 4, 7 und 15), eine Vereinigung der Ukraine mit Moskau war damit keineswegs angestrebt. Letztlich hat der polnische Sejm mit der Ratifizierung des Friedensvertrags von Zboriv die Gründung der autonomen ukrainischen militärischen Republik, des Hetmanstaats (1649 — 1764), anerkannt. Die Ukrainer verfügten damit über ein eigenes Territorium, ein eigenes Volk, ihre eigene Regierung, eine eigene Armee, eine eigene Gesetzgebung und sogar über eigene diplomatische Beziehungen zu den Nachbarstaaten, so daß Bohdan Chmel'nyc'kyj als Schopfer dieses Hetmanstaates faktisch unabhängiger Souverän war[195].

Anhang

Ihr. Konigl. Mayt. von Polen gnädigste Declaration, betreffende die Puncta auff der Cosaken Supplication.

1. Erstlich sollen die Zaporowschen Cosaken bey ihren alten Freyheiten / laut den alten Privilegien / gelassen werden / und I. Konigl. Maj. ertheilet ihnen hierauff auff Bitte ihr Privilegium.

2. Indem Ihre Majestet der Anzahl der Zaporowschen Cosaken sich will bequemen / und der Unterthanen Bitte ein genügen thun / sie so zu eigenen / als der Cron Diensten willig machen; als vertrawet I. Konigl. M. seine Zaporowscher Cosaken dem Obristen / mit dieser Erklärung / daß nach Würden / welcher zu diesem tüchtig were / in den Adelichen Gütern / in das Register der Cosaken eingeschrieben werde / wie auch in den Gütern I. Konigl. M. und zwar mit solcher Beschreibung der Städte; Anfan­gende von Dniepr von jener seite in Dymierze [Dymer], Hornostaypole, Korosteszowic [Korostys], Pawoloci [Pavoloc], Prylace [Pryluka], Winnicy [Vinnica], Braclaw, von denen von Braclaw zu Janpola [Jampol] gegen Dniestr, von Dniestr zum Niepr oder Borysthenes [Dniepr], sol es auch also verstanden werden / daß die Cosaken in das Register sollen eingeschrieben und angenommen werden: Auff der andern Seiten aber des Dnieprs, zu Ostiz [Ostro], zu Czerniechowie [Cernihiv], Kirynie [Nizyn], Rumnie [Romny], bis an der Moskoviter Gräntzen und Dniepr. Was anlanget die andere Städte I. Konigl. Maj. und derer vom Adel nach Ordnung und Zahl in diesen Puncten beschrieben / in diesen sollen sich die Cosaken nicht befinden. Jedoch sol jedem frey stehen / welcher unter ihnen seyn wil / ohne Verhinderung seines Herrn / mit seinem Haab und Gut sich nach der Ukraine zu erheben / der dann in das Register eingeschrieben werden sol / welches Register auffs längste gegen der Russen Newjahrstag durch der Zaporowschen Cosaken Ober­sten ordentlich sol verfertiget seyn / in dieser Ordnung: Daß der Zaporowschen Cosaken Obrister mit unterzeichneter Hand und Siegel das Register hinterlassen sol / nach den Nahmen derer aller / so eingeschrieben seyn unter die Cosaken, und das darumb / damit selbige nebenst den Cosaken bey den Freyheiten bleiben mochten / die andern alle aber in I. Kon. M. Schlossern / und in den Adelichen Gütern ihren Herren unterthan verbleiben.

3. Es so Czechryn [Cyhyryn] / so wie es ist in seinem Umbkreiß / bey der Zaporowschen Cosaken Regiment allezeit verbleiben / welches auch Ihr Konigl. Majestät / dem itzigen Oberst, der Zaporowschen Cosaken / dem Wolgebornen Bogdan Chmielincki [Chmel'nyc'kyj] übergibt / und ihn so zu ihrer / als der Cron trewen Diener machet.

4. Was bey der Zeit dieser Verwirrung und Unruhe durch Gottes Zulassung geschehen / das sol alles in Vergessenheit gestehet werden / kein Herr sol es rechnen oder straffen.

5. Die vom Adel / so Reuscher[196] als Romischer Religion, so bey wehrender Zeit dieser Verwirrung und Unruhe / auff waßerley weise es wolle / sich bey den Zaporowschen Cosaken auffgehalten / haben von Ihr Kon. Mayt. aus Koniglicher Gnade Verzeihung / als welche ihr Verbrechen bedeckt / und sofern etwas von einem / es sey an Erb- oder Lehn-Gütern / erbeten were / oder einer oder der ander infamiret worden / weil es alles von dieser jetzigen Verwirrung herkommen / das sol durch des Reichstages

Constitution auffgehaben werden.

6. Der Cronen Volck sol nicht ihr quartier haben in den Städten / da die Cosaken / nach anweisung der Register / seyn werden.

7. Die Juden / so Güter haben / arrendiren / und wonhafft sein / sollen in den Städten / da die Kosaken ihre Regimenter haben / nicht geduldet werden.

8. Wegen Abschaffung der Union[197], so wol in der Cron Polen / als im Groß Fürstenthumb Littawens so wol auch wegen der Reusischen Kirchen / ihrer Güter und Fundation halber / und was darzu gehorig; wie sie von alters her gewesen; als auch alle ihre Rechte; wie es mit dem Metropoliten und der Christen­heit auff künfftigem Reichstag wird abgeredt und geschlossen werden; und was auff des Metropoliten Begehren allermaßen mochte bewilligt werden; Ist I. Konigl. Maytt. einzugehen willig / damit ein jeder dessen / waß ihm von rechtswegen zukomt / geniessen / und seiner Freyheit sich erfrewen moge. Auch bewilli­get I. Maj. dem Kyowschen Metropoliten im Senat eine Stelle zu haben.

9. Alle die Ehren-Aempter in der Kyowschen Braclowschen / Czernicowschen Woiewodschaften / verspricht I. K. M. zu geben denen von Adel / so der Griechischen Religion zugethan / vermoge der alten Gesetze.

10. Weil in der Stadt Kyow privilegierte Schulen sein / so sollen sich alda die Jesuiter, oder in andern Städten in der Ukraine, nicht fundiren / sondern sich anders wohin versetzen; Sonsten sollen die andern Schulen alle / welche von alters hero sein / unverrückt erhalten werden.

11. Brantwein sollen die Cosaken nicht schäncken / ohne waß sie zu ihrer Noturfft brennen mogen: Der Meetschänck / Bierschänck / und dergleichen / sollen bey dem alten Gebrauch bleiben.

Diese Punckten sollen auf dem Reichstage confirmiret werden / und alles jetzo in Vergessenheit gestehet sein / und soll Liebe und Einigkeit unter allen Zaporowschen Cosaken / I. Konigl. Maytt. und der Cronen erhalten werden.

Summary

The German Text of the Ukrainian-Polish Peace Treaty of Zboriv of 1649 and its Background

In 1648 the Cossacks raised an insurrection in the Kingdom of Poland under the leadership of Hetman (Commander-in-Chief) Bohdan Khmel'nyts'kyi (1595 — 1657). After several victorious battles in 1648, Khmel'nyts'kyi, being celebrated as a victor and hero by the entire population of Kiev, realized that he had become a national leader whose responsibilities were not limited to the Cossacks alone, but comprised also the entire Ukrainian people. Now he vowed to liberate Ukraine and to establish under his control an Ukrainian principality. This would be unacceptable to the Poles, and thus would make war inevitable.

In summer 1649, at the battle of Zboriv (in northeaster Galicia), the Polish army was completely surrounded by the Cossacks and Tatars. Because of the treachery of the Crimean Khan Islam Girey III, however, the Hetman was forced to make peace with the Polish King. The agreement between Khmel'nyts'kyi and Jan Casimir, known as the Treaty of Zboriv, was concluded on 18 August 1649 and consisted of eleven articles.

Although Khmel'nyts'kyi was unable to create an independent state, a close reading of the articles of this treaty suggests that within the Polish-Lithuanian Commonwealth a semi- autonomous Cossack political entity in Ukraine — the Hetmanstate — would be established and be governed by the Hetman. The Zboriv treaty set the register at 40,000 men, and banned the Polish army, Jesuits, and Jews from the provinces of Kiev, Bratslav, and Chernihiv. Only the Cossacks, their officers (starshyna) and the noblemen of Orthodox faith were allowed to reside there and to hold public office. Within the boundaries of the Cossack territory, the Orthodox Church was supposed to have the same rights as the Roman Catholic Church. The Uniate Church was supposed to be abolished in the Commonwealth. The treaty was ratified by the Sejm; thus, it became a legal document, recognizing some form of Ukrainian statehood. In the course of the struggle against Poland, the Ukrainian Cossack Army was transformed into a body politic that exercised control over considerable territory. A system of administration and government was created that enjoyed de facto independence for some years.

Unfortunately, the text of the Peace Treaty of Zboriv was not included in any Polish Register of documents. The Ukrainian historian Mykhailo Hrusevs'kyi pointed out in his history of Ukraine that the Polish text, published by the Russian Ministry of Foreign Affairs in the Collection of Documents and Treaties, III (1822), is an incomplete translation. Yet the German text of this treaty, published in 1649 by an anonymous German officer in Polish Service, corresponds with the Polish text, except for misspelled names[198].

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